Allgemein/Kopfkino

Tauschschrank weg? Sehr gut!

In der Goethe Gallerie hängt das berühmte Foto vom Fabrikeinsturz in Bangladesh. Zu sehen sind Fotos zweier Opfer. Ich lese hier: „Ihre Arbeit hat zum Reichtum der anderen beigetragen, die sie nicht ausreichend vor Schaden schützten. In ihren letzten Augenblicken, ohne Hoffnung auf Rettung, hatten sie nur einander. Wir können nie erfahren, wer sie im Leben waren, aber wir werden an ihre Würde im Tod erinnern.” Ich hoffe, dass ich das getan habe.

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Ich gehe hundert Meter weiter in eine „New Yorker“ Filialle und fasse ein weißes T-shirt aus Bangladesh an.

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Alles scheint hier wie immer zu sein. Auf dem Weg zum nächsten Einkaufscenter hat jemand die Wahrheit auf den Asphalt geschrieben.

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Arbeit macht tot! Nicht dich. Nicht mich. Außer wir stressen uns zu doll oder werden fett und kippen tot um. Aber die Arbeit hat Frauen und Männer in Bangladesh umgebracht. Gibts ja ein nettes Foto von.

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Der Hippietauschschrank ist weg. Ich finde das gut. Liebe Hippies, eure Tauschschränke, Verschenkaktionen und alles andere gehen mir tierisch auf den Zeiger. Ihr sucht einen Ort für euren Wohlstandsmüll? Und ihr wollt eurer Gewissen erleichtern, weil ihr in diesem Luxus lebt?

Liebe Projektinitiatoren, alles verlief nach Plan, aber der Plan war scheiße. In dem Schrank waren nur echt alte eklige Sachen. Und liebe Hippies: keiner möchte eure alten Klamotten tragen. Für sowas haben Rehana Parveen und ihr Mann das Leben verloren. Und ihr meint, wenn wir jetzt euren Müll abtragen, wird irgendetwas besser. Oder die Verhältnisse der Menschen, die das hergestellt haben, was ihr in den Schrank schmeisst, wird irgendwie durch eure Aktionen anders? Nein.

Ich will, dass ihr noch tragbare Klamotten in den Kleiderkammern und Kleidercontainern abgebt, die es gibt. In vielen Kirchgemeinden wird auch oft gesammelt. Tauschen könnt ihr ja übers Internet. Oder ihr macht einmal im Monat zum Flohmarkt einen Tauschstand. Dann wird es überwacht und ihr lernt Tauschpartner kennen. Aber das macht Arbeit. Und eigentlich wolltet ihr nur ein bisschen Kapitalismuskritik üben. Und anders sein. Und chillen.

Ich möchte, dass jeder Mensch in diesem Land genug Geld für Essen, Kleidung, Kultur usw. bekommt. Ich lebe seit zwei Jahren von ALG II, andere noch von viel weniger. Das ist nicht genug, um wirklich TEILHABEN zu können. Aber ich möchte nicht, dass ihr irgendwo draussen Lebensmittel hinstellt, die ich essen soll. Ich mag eure Klamotten nicht. Ich möchte eigenständig und würdevoll leben können. Genau wie die Menschen in Bangladesh. Ich möchte mir die Klamotten leisten können und in der Lage sein, soviel zu bezahlen, dass die Arbeiter in Ländern mit Textilindustrie davon gut leben können.

Eure Ideen tragen nicht zu diesem Ziel bei. Keine Behörde bezahlt mehr Projekte, die bsps. der Verein „1000 Taten“ freiwillig macht. Leute wie ihr gehören zu diesem System, das ihr so kritisiert, dessen Teil ihr aber seit. Und ihr erfüllt eure Aufgaben. Barmherzig könnt ihr aber jeden Tag sein. Dazu braucht ihr keinen Tauschschrank.

Lasst uns doch über eine gute Nutzung des Eichplatzes reden. Die Kräuterspirale ist cool. Der Tauschschrank war es nicht. Und der Müll, an den ihr einen Zettel „zu verschenken“ schreibt und dann auf die Strasse stellt, gehört zu 80 % in die Tonne (neulich hab ich die Hülle von einer guten Cd gefunden. Die Cd war nicht drin. Das ist nicht lustig.)

Lasst uns zusammen die Welt verändern. Aber dann bitte richtig!

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