Kopfkino

Sensation! Schillers Schädel in Jena gefunden.

Sensation in Jena
Schillers Schädel gefunden…Novalisfest abgesagt… Eichplatz wird zum Schillerpark

Der Disput über die zukünftige Gestaltung des Eichplatzes im Zentrum der Stadt dürfte damit beigelegt sein. In der City präsentieren Historiker einen bei Ausgrabungen in einer Parzelle der ehemaligen Kollegiengasse 29 gemachten Fund. „Das ist zweifelsfrei der bisher vermisste Schädel Friedrich Schillers“, stellt der Stadthistoriker Dr. Rüdiger Stutz auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz fest. Auf dem heutigen Parkplatz befand sich bis 1945 ein repräsentatives Gebäude, das über ausgedehnte Kelleranlagen verfügte.

Der Schädel Schillers vor der Fundstelle Eichplatz

Der Schädel Schillers vor der Fundstelle Eichplatz

Das Rätsel um den falsche Schädel
Im Rahmen einer Untersuchung im Frühjahr 2008, welche im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Klassik Stiftung Weimar als Forschungsprojekt „Der Friedrich-Schiller-Code“ gestartet wurde, kamen Experten zu dem Ergebnis, dass keiner der beiden Schädel, die Jahrzehnte lang in der Fürstengruft in einem Sarg verwahrt wurden, Schiller zugeordnet werden kann.

Durch aufwendige DNA-Analysen der Gebeine von Schillers Schwestern und der Vergleich dieser DNA mit der aus den Zähnen der beiden Fürstengruft-Schädel zeigte, dass der echte Schädel Schillers verschollen war. Die Klassik Stiftung Weimar entschloss sich darauf hin, Schillers Sarg leer in der Fürstengruft zu belassen. Nach dem wahren Schädel wurde von Seiten der Stiftung nicht gesucht. Auch Wissenschaftler der Universität Freiburg haben die Suche nach dem echten Schädel nach umfangreichen Untersuchungen der Schädel-Sammlung der Eberhard Karls Universität Tübingen ergebnislos beendet.

Wie kam Schillers Schädel nach Jena?

Schiller verlebte seine produktivsten Jahre in Jena von 1789, also dem Jahr der französischen Revolution und 1799. In Jena hatte Friedrich Schiller ein Gartenhaus, eine von nur zwei erhaltenen Wohnstätten. Dort lebte er mit seiner Familie in den Sommern der Jahre 1797 bis 1799.

Der Fund und das Gartenhaus Schillers

Als Schiller am 9. Mai 1805 in Weimar an einer Lungenentzündung starb, wurde sein Leichnam zunächst im Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof Weimar beigesetzt. Als in einer Nacht- und Nebelaktion seine Gebeine später erneut geborgen werden sollten, konnten sie bereits nicht mehr zweifelsfrei identifiziert werden. Diejenigen Gebeine, die man am ehesten für die Schillers hielt, wurden in die Herzogin Anna Amalia Bibliothek gebracht. Johann Wolfgang von Goethe entlieh sich im Herbst 1826 heimlich den Schädel. Er weihte nur seinen Freund Wilhelm von Humboldt ein, der es jedoch weitererzählte. Im Anblick des Schädels schrieb Goethe das Gedicht „Bei Betrachtung von Schillers Schädel“.

Die sterblichen Überreste, die man irrtümlich Friedrich Schiller zugeschrieben hatte, wurden am 16. Dezember 1827 in die Fürstengruft auf dem neuen Weimarer Friedhof überführt, wo später auch Goethe auf eigenen Wunsch „an Schillers Seite“ bestattet wurde. Im Zweiten Weltkrieg mussten die Särge von Goethe und Schiller in einen Jenaer Sanitätsbunker ausgelagert werden. Bereits am 12. Mai 1945 konnten diese zurück in die Fürstengruft gebracht werden.

„Jemand muss den Schädel Schillers entweder in den 1820er Jahren zurück nach Jena gebracht haben oder er kam erst 1945 auf das Areal des heutigen Eichplatzes“, fasst Dr. Rüdiger Stutz zusammen. Vom Gartenhaus sind es nur 100 Meter Luftlinie zur ehemaligen Kollegiengasse 29, auf der sich heute ein Parkplatz befindet.

Schiller erwarb das um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Haus im heutigen Schillergäßchen 2 in Jena im März 1797 als Zweitwohnung und Gartenhaus. Damals lag es kurz vor den Toren der Stadt, mit Blick auf den Bach Leutra und zahlreiche Wald- und Gartenstücke. Seine Familie und zahlreiche Freunde, vor allem Goethe, hatten ihm zu diesem Erwerb geraten, um an der frischen Luft seine angeschlagene Gesundheit zu kurieren. „Ich musste dieses Mittel ergreifen, ein eigen Haus und Garten zu kaufen, weil ich sonst gar keine Möglichkeit sehe, mich an die freie Luft zu gewöhnen, die mir so nöthig ist.“

Die Wissenschaftler vermuten, dass eine der vielen weiblichen Liebschaften das Skelett wieder nach Jena brachte. „Aber auch die Ereignisse 1945 scheinen plausibel, wann der überraschende Fund auf dem Eichplatz abgelegt wurde“, so Stutz.

Wie geht es mit dem Eichplatzquartier weiter?

„Alle Pläne, die wir bisher hatten, sind vom Tisch“, stellt Jenas OB Dr. Albrecht Schröder fest.“ Angesichts der enormen kulturgeschichtlichen Bedeutung dieses Fundes komme nur ein „Schillerpark“ unweit des Hauptgebäudes der Friedrich-Schiller-Universität in Frage. In einer eilig anberaumten Pressekonferenz wurde zunächst das ungeliebte „Novalisfestival“ abgesagt. Schiller wird der neue Botschafter des Lichts. „Sobald es im Menschen Licht wird, ist außer ihm keine Nacht mehr“, rezitiert der OB Dr. Schröter voller Freude den Dichter der Stadt.

„Schiller ist der Dichter der Freiheit – Jena ist die Stadt der Freiheit“, wird das Konzept der „Lichtstadt“ bei Jenakultur bereits erweitert. Insbesondere die Bürgerinitiative SSN – „Schiller statt Novalis“ atmet auf. „Im 25 Jahr der Wiedervereinigung Schiller, der uns „Freude schöner Götterfunken“ geschenkt hat, zu verleugnen, geht gar nicht“, sagt die Sprecherin der Initiative Bertha Kessel. „Friedrich Schiller hat uns den Weg gewiesen“, führt Stadtarchitekt Dr. Matthias Lerm aus. Das Projekt Eichplatzquartier, in dessen Verlauf Jenas Verwaltung den Draht zu den Bürgern verlor und sich auch Staatssekretäre und Arbeitslose unversöhnlich gegenüber standen, nimmt damit eine unvorhergesehene Wendung. Ein Schild „Spielplatz Eichplatz“ wurde bereits angebracht. „Hier beginnt die ästhetische Erziehung des Menschen“ ist sich Jenas OB sicher. Noch im April soll mit dem Bau einer Tiefgarage und der darüber liegenden Parkanlage, die Millionen von Touristen anziehen wird, begonnen werden.

(Autor: Bertha Kessel)

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