Allgemein/Kopfkino

Gerade ein perfekter Tag. Abschied von Lou Reed.

stromkastenganzneu2

Gerade ein perfekter Tag
Du lässt mich ´mich selbst` vergessen
Ich dachte ich wäre jemanden anderes
Jemand Gutes

Oh es ist so ein perfekter Tag Ich bin froh ihn mit dir zu verbringen

Abschied von Lou Reed.

Gestern war ein schöner Tag. Heute nicht. Wer sind wir? Wir sehen uns in einer Woche. Vielleicht. Der Tag heute war so kompliziert. Ungefähr eine Stunde haben wir geredet. Und ich war in einer anderen Welt. Jetzt bin ich gerade hart gelandet.

„Kleine Schritte“ sagt mein Coach. Was für ein komisches Gespräch. Haha Um 18.16 Uhr.

Ich hatte überlegt, ob ich dir die Zeilen schicke. Aber ich werde es nicht machen, da wir viel zu weit voneinander entfernt sind. Das ist jetzt der Abschied, lieber Lou. Und nichts anderes. Dieses eine Lied, in dem du sagst „Hey, Sylvia, dies ist der Beginn eines großen Abenteuers.“ Du weißt, welches Bild gerade ich dann in mir habe. Das hast du heute Morgen bei mir geschafft. Das Bild ist unvollständig. Ich habe heute viele Dinge über dich gelesen, die mich sehr beeindruckt haben. Die Fabrik für all die Ausgestoßenen. Was für ein Traum. Jemandem, der viel Ablehnung erfahren hat, sagen: „Wir brauchen genau dich!“ Das wäre mein perfekter Tag.

Ich lese über dich, wie du dir illegale Substanzen intravenös zugeführt hast, dass du flaschenweise Johnny Walker Black Label trankst, „ein menschlicher Abgrund aus Selbsthass und Größenwahn“ seist du gewesen.

Das fühlt sich für mich sehr vertraut an. Deine Geschichten handelten von „den Schattenfiguren des amerikanischen Traums, den Hustlern und Hookern, den Verkrachten und Geächteten, die im Schutzraum der Warholschen Kreativ-Fabrik ihre Phantasien und Lüste ausleben konnten.“ Diese Geschichten würde ich auch gern erleben, um sie schreiben zu können. Aber ich finde nicht zu meiner Fabrik.

Reed hat die Storys vom Rand der Gesellschaft erzählt. Deshalb hat er auch mich immer angesprochen. Ich habe auch Lust an Sucht und Entgrenzung:

„Ein Akkord ist prima. Zwei Akkorde sind schon übertrieben. Drei Akkorde, und du bist beim Jazz“, habe ich heute oft ein Zitat von Lou Reed gelesen. Ich brauche keine Angst zu haben!

Ich müsste einen Weg finden, so zu leben. Ich habe doch einen Traum. Ich habe nach dem Lied gesucht. „Sie sagte, hey Babe, wage mal ein Abenteuer. Ich sagte, hey Honey, wage mal ein Abenteuer.“ Ich versuche es. Wirklich. Merkst du es nicht? Auf was warte ich?

Du sprichst Verrückte und Kranke wie mich an. Und meine Frau sagt zu mir… da geht das „Kopfkino“ schon los.

Ich sehe dich in dem Film „In weiter Ferne, so nah“.

Otto Sanders ist doch auch neulich erst gestorben. Seid ihr jetzt beide in weiter Ferne so nah? Ich habe tausende Fragen im Kopf. Aber ich sollte aufhören mit dem ständigen Fragen. Ein folgendes Projekt könnte sein, die Fragezeichen in den Texten zu zählen. Viele Gedanken haben ein Fragezeichen am Ende.

Ich habe mir oft vorgestellt, wie du dir vor Publikum einen Schuss setzt. Ich müsste mal in das Buch schauen über euch kaputte Typen. Dort könnte das Bild vielleicht drin sein. Ich habe es gefunden. Das Buch heißt „Rock n´ Roll Babylon. Skandale der Rockmusik“. Lou Reed fühlt in diesem Buch viele Seiten. Auf Seite 136 finde ich das Bild von November 1974, in dem du eine Live-Demonstration zum Heroingebrauch vorführst.

Ich grüße dich und danke dir. Ich habe nach meinen Erinnerungen in Tempeltown auf dem Marktplatz eine CD gekauft. Ich war aufgeregt, aber damals warst du mir wirklich zu kompliziert. Ausgenommen ist der perfekte Tag. Ich habe mir sogar die Single gekauft. Das kann jeder so machen, wie er will. Ich wollte den ganzen Tag wie Lou Reed sein. Ich werte mich selbst ständig ab. Der Wert. Ich mag die einfachen Kindermärchen mehr als die Realität. Meine Bekannte und ich haben sehr wichtige Theorien entwickelt, wie das Gemeinwesen besser gestaltet werden könnte. Dann ist sie aber gegangen und ließ mich hier allein zurück. Die Antwort auf die Frage, wann wir uns wiedersehen, hat mich sehr enttäuscht. Ich bin immer noch beim Nachruf. Weil Lou Reed mit vielen Gedanken verknüpft ist.

Ich frage mich gerade, wie das Ende geschrieben wird. Ein Nachruf. Ich rufe dir etwas hinterher. Das Buch hat 2 Mark und 99 Pfennig gekostet. Die Welt da draußen wird immer komplizierter. Ich hoffe, dein Leben war gut.

Oh es ist so ein perfekter Tag.
Ich bin froh ihn mit dir zu verbringen.

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